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Schmerz ist nicht geschlechtsneutral

Schmerz ist nicht geschlechtsneutral

Frauen sind häufiger von chronischen Schmerzen betroffen als Männer – und Schmerzen können sich je nach Geschlecht unterschiedlich äußern, wahrgenommen und behandelt werden.

Ein aktuelles Schwerpunktheft der Fachzeitschrift "Der Schmerz" widmet sich dem Thema „Schmerz, Geschlecht und Gender“ und zeigt, warum eine geschlechtersensible Perspektive für Forschung und Versorgung wichtig ist.

 

 

Der „Gender Pain Gap“

Neben biologischen Unterschieden spielen auch psychosoziale und gesellschaftliche Faktoren eine Rolle. Der Begriff „Gender Pain Gap“ beschreibt die Beobachtung, dass Schmerzen bei Frauen teilweise unterschätzt, weniger ernst genommen oder erst später richtig diagnostiziert werden als bei Männern.

Ein wichtiges Beispiel ist die Endometriose: Trotz oftmals erheblicher Beschwerden vergehen zwischen den ersten Symptomen und der Diagnose nicht selten mehrere Jahre. Eine verspätete Diagnose und Behandlung kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und eine Chronifizierung von Schmerzen begünstigen.

Viele Fragen sind allerdings noch offen. Insbesondere darüber, wie biologische, psychologische und soziale Faktoren zusammenspielen, wissen wir bislang nicht genug. Auch zum Schmerzerleben transgeschlechtlichen, intergeschlechtlichen und nicht-binären Menschen fehlen wissenschaftliche Daten noch weitgehend.

Geschlechtersensible Behandlung am Schmerzzentrum

Die im aktuellen Schwerpunktheft aufgegriffenen Fragen haben auch für unsere Arbeit am Interdisziplinären Schmerzzentrums am Uniklinikum Erlangen eine hohe Relevanz. Chronische Schmerzen entstehen und bestehen häufig im Zusammenspiel unterschiedlicher biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren. Diese Zusammenhänge möglichst genau zu verstehen, ist eine wichtige Grundlage für eine individuelle und interdisziplinäre Behandlung der Patientinnen und Patienten. Dabei arbeiten verschiedene medizinische und therapeutische Fachdisziplinen eng zusammen und verbinden unterschiedliche Behandlungsansätze im Rahmen einer interdisziplinären multimodalen Schmerzthrapie.

Besonders deutlich wird die Bedeutung einer geschlechtersensiblen Perspektive bei Erkrankungen wie der Endometriose und bei chronischen Unterbauchschmerzen. Gemeinsam mit der Frauenklinik des Uniklinikums Erlangen behandeln wir am Interdisziplinären Schmerzzentrum Patientinnen mit diesen häufig komplexen und lang anhaltenden Beschwerden im Rahmen einer spezialisierten interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie]. Die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen ermöglicht es, unterschiedliche Einflussfaktoren auf das Schmerzerleben zu berücksichtigen und gemeinsam mit den Patientinnen individuelle Strategien für den Umgang mit chronischen Schmerzen und zur Verbesserung der Lebensqualität zu entwickeln.

Aktuelles Schwerpunktheft: „Schmerz, Geschlecht und Gender“

Das aktuelle Schwerpunktheft der Fachzeitschrift Der Schmerz aus dem Springer Verlag   greift die vielfältigen Zusammenhänge zwischen Geschlecht, Gender und Schmerz auf. Expertinnen und Experten beleuchten unterschiedliche Aspekte und zeigen den aktuellen Stand von Forschung und klinischer Versorgung.

Das Thema macht zugleich deutlich, wie wichtig eine individuelle und biopsychosozial ausgerichtete Schmerzmedizin ist: Ein besseres Verständnis geschlechtsspezifischer Unterschiede kann dazu beitragen, Schmerzen früher zu erkennen, Versorgungslücken zu vermeiden und Behandlungskonzepte noch gezielter an die Bedürfnisse der Betroffenen anzupassen.