Simulatortraining, Patientensicherheit und Lehre
Als eines der ersten Simulations- und Trainingszentren Deutschlands (gegründet 1997 durch Prof. Schüttler) verfügt unsere Anästhesiologische Klinik über eine lange wissenschaftliche Tradition im Bereich simulationsbasierter Forschung. Bereits Ende der 1990er-Jahre wurden hier – in enger Zusammenarbeit mit Psychologinnen und Psychologen der Universität Bamberg – erste Projekte etabliert, in denen Simulation gezielt als Forschungsinstrument genutzt wurde, um
- menschliches Verhalten,
- Teamdynamiken und
- sicherheitsrelevante Prozesse
im klinischen Kontext zu untersuchen.
Unser Ansatz
Simulation dient uns als gezieltes methodisches Instrument, um komplexe klinische Situationen kontrolliert und reproduzierbar abzubilden. Unter diesen Bedingungen können wir Lern-, Handlungs- und Entscheidungsprozesse systematisch erfassen, analysieren und weiterentwickeln.
Ein Schwerpunkt unserer Lehrforschung liegt darauf, Wissens- und Kompetenzvermittlung evidenzbasiert zu gestalten. Dies umfasst sowohl digital gestützte Lernformate als auch eigens entwickelte simulationsbasierte Szenarien. Auf diese Weise verbinden wir wissenschaftliche Erkenntnisse mit modernen didaktischen Konzepten, die kontinuierlich in die Weiterbildung sowie in die universitäre Lehre einfließen.
Simulation und Lehrforschung wurden an unserer Klinik frühzeitig und strukturiert in die Facharztweiterbildung integriert und auch in die studentische Ausbildung integriert. Dadurch haben wir die Möglichkeit, die Wirksamkeit unterschiedlicher Lehrstrategien fortlaufend zu evaluieren und weiterzuentwickeln. Ziel ist es, eine qualitativ hochwertige, sichere und verantwortungsbewusste medizinische Ausbildung zu gewährleisten, die den aktuellen Anforderungen von Patientensicherheit und einer modernen Patientenversorgung entspricht.
Wissenschaftliche Schwerpunkte
Unsere wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich auf die Frage, wie Simulation und strukturierte Trainingsformate konkret zur Verbesserung der Patientensicherheit beitragen — sowohl auf individueller Ebene (non-technische und technische Fertigkeiten) als auch systemisch (Teamdynamik, Entscheidungsprozesse, Risiko- und Sicherheitskultur).
- Teamdynamik und Sicherheitskultur
Ein wiederkehrendes Thema ist der Einfluss von Hierarchie im Team auf die Bereitschaft, offen Bedenken zu äußern („speaking up“) — zentral für eine Sicherheitskultur, in der Fehler vermieden und frühzeitig erkannt werden können. - Krisenmanagement und Notfallsituationen
Wir untersuchen, wie Simulationstrainings plus strukturierten Debriefings helfen, Entscheidungsprozesse in kritischen Situationen zu optimieren — z. B. bei Risikonarkosen oder Notfällen. Darüber hinaus wurde bei uns eine digitale Gedächtnis- und Entscheidungshilfe für Notfälle entwickelt und evaluiert („Cognitive Aid“ / „eGENA“). - Bildung und Lernstrategien
Unsere Forschung befasst sich auch mit didaktischen Fragestellungen — etwa welche Lehrstrategien (z. B. klassisch vs. simulativ) besonders geeignet sind, um Kompetenzen wie Priorisierung (z. B. in der Triage) zu vermitteln. Eine entsprechende Studie der Gruppe zeigte, dass simulations- und handlungsorientierte Konzepte wirksam sind.


